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Fast Weltweit

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Der Fremde
live in Berlin, 1990
Frank Spilker, Achim Knorr
Foto © Achim Knorr

Der Fremde

live in Berlin, 1990

Frank Spilker, Achim Knorr

Foto © Achim Knorr

— Vor 7 Monaten
#Der Fremde  #achim knorr  #1990  #foto 

Der Fremde Live 1990 in Hamburg 

Besetzung: Achim Knorr (Gesang/Gitarre), Andreas Reth (Schlagzeug), Frank Spilker (Bass), Mirko Breder (Moog) 

(Quelle: youtube.com)

— Vor 2 Jahren
#1990  #Andreas Reth  #Der Fremde  #achim knorr  #frank spilker  #video  #Mirko Breder 
Der Fremde - daneben 
Cover, LP - 1989 Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 
® reth Tonträger, 1989 Design © Achim Knorr

Der Fremde - daneben 

Cover, LP - 1989 
Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 

® reth Tonträger, 1989 
Design © Achim Knorr

— Vor 2 Jahren with 1 Anmerkung
#1989  #Andrea Kilian  #Andreas Reth  #Der Fremde  #Mirko Breder  #achim knorr  #frank spilker  #reth Tonträger  #cover 
Der Fremde 1991 
TThomthom Geigenschrey, Andreas Reth, Achim Knorr 
WTN, Nr. 8, 1991 
Foto © Sabine Stolle 

Der Fremde 1991 

TThomthom Geigenschrey, Andreas Reth, Achim Knorr 

WTN, Nr. 8, 1991 

Foto © Sabine Stolle 

— Vor 3 Jahren
#1991  #Andreas Reth  #achim knorr  #TThomthom Geigenschrey  #Der Fremde  #WHAT’S THAT NOISE  #Sabine Stolle  #foto 
Der Fremde 1991 
Achim Knorr, Andreas Reth, TThomthom Geigenschrey 
WTN, Nr. 8, 1991 
Foto © Sabine Stolle 

Der Fremde 1991 

Achim Knorr, Andreas Reth, TThomthom Geigenschrey 

WTN, Nr. 8, 1991 

Foto © Sabine Stolle 

— Vor 3 Jahren
#1991  #Andreas Reth  #Der Fremde  #Sabine Stolle  #TThomthom Geigenschrey  #WHAT’S THAT NOISE  #achim knorr  #foto 
WHAT’S THAT NOISE, Nr. 8, 1991 
Foto © WTN & Marcus Twellmann

WHAT’S THAT NOISE, Nr. 8, 1991 

Foto © WTN & Marcus Twellmann

— Vor 3 Jahren with 1 Anmerkung
#1991  #Der Fremde  #WHAT’S THAT NOISE  #cover  #Fast Weltweit 
DER FREMDE

Bisher echt seltsam, meint Herr Z. 

Ein Sonntag im Dezember, bester Tag 23. hatte das Monatshoroskop versprochen. War es Verantwortungslosigkeit, die den Astrologen trieb? Zwei Stunden strapazierte diese Band mein wartendes aber geduldiges Fleisch, allein mit meiner reizenden Fotografin in der unberührten Wildnis Bad Salzuflens (Lippe), umgeben von zwei fettleibigen Schäferhunden, unwissend, daß diese vermeintlich harmlosen Geschöpfe wenige Tage zuvor ein Schaf zerfetzt hatten. DER FREMDE wollte inmitten dieser ländlichen Idylle sein neuestes Demotape einspielen, nun war der letzte von zwei Studiotagen schon fast zur Hälfte verstrichen, und was man vorzuzeigen hatte, war nicht sehr viel. oder präziser ausgedrückt, nichts. Stattdessen hatte man die ganze Nacht hindurch dem Berliner Bandviertel die minderwertigkeitskomplexe Seele massiert und den blinden Augen ihren rechten Platz gewiesen. Gesundes Volksempfinden, soziale Gruppendynamik. Dem Fremden geht es um mehr, als nur Musikmachen, was aufgrund der räumlichen Versprengung der Bandmitglieder (Köln Berlin Bad Salzuflen) schon selten genug passiert. Wahrscheinlich die einzige Möglichkeit in der prinzipiellen Unmöglichkeit dieser Band zu bestehen. Man trifft sich einmal im Monat für ein Wochenende und Schluß. Erstaunlich, wenn man das Ergebnis betrachtet und Aufwand und Nutzen gegenüberstellt. Dennoch, die trübe Erkenntnis, quasi für umsonst das WM-Special in den Wind geschrieben und ungezählte Kalorien in der lippischen Kälte verbrannt zu haben, sägte an meiner um Fassung bemühten Selbstbeherrschung. „WM-Special? Das läuft jetzt? Mist, eigentlich wollten wir doch nun aufnehmen …” Achim KNORR haderte mit seinem Gewissen, ich mit dem Bodenfrost. Sein Interesse am Fußball freute und wunderte mich gleichermaßen, hatte ich ihnen doch die latente Wollsocke und den heimlichen Malventee unterstellt. Was Wunder, so wie die rumlaufen… Zeitsprung, keine Geschichte über den FREMDEN ohne die unvermeidliche aber tragische Geschichte von fünf Freunden, die einst auszogen, den deutschen Pophimmel neu zu definieren, um ihn anschließend selbst zu erobern. 
Achim KNORR (26) hörte in seiner jüngeren Jugend gern Musik von Gruppen wie S.Y.P.H oder FEHLFARBEN, auch BUZZCOCKS und GODLEY & CRFME kann man ihm unterstellen. Die nicht kommerzielle NDW gab ihm kreativen Anstoß, GENIALITÄT war ihm gottgegeben, DILETTANTISMUS brauchte er nicht zu erlernen, die logische Konsequenz hieß 1981 DIE DICKE BÄRTA. Damals drückte man nahezu allem, was halbwegs schräg war, egal ob aus Absicht oder Unvermögen geschehen, den Stempel Punk (auf nationalem Gebiet NDW) auf. DDB fielen ebenfalls darunter. Angeblich ist es Achim Knorr damals sogar gelungen, die legendäre Tapesingle „Du bist hässlich“ für fünf Mark an einen Obskuritätensammler zu verkaufen (insgesamt spricht man von 23 weltweit abgesetzten Exemplaren). Die Personenbeschreibung des Käufers traf allerdings nicht auf einen ganz bestimmten Bielefelder Anzeigengott zu. 


Es war, wie es so ist im Leben. Man ist jung. Man geht zur Schule, man ist intellektuell und hat als solcher komische Oberschülerfreunde, man entdeckt die gemeinsame Liebe zur Musik (Hochphase der NDW, sowie PostcardSound, AZTEK CAMERA, ORANGE JUICE, JOSEPH K) und zum Wohlklang der heimatlichen Sprache und beschließt, wider den Lachleuten und Nettmenschen zu handeln, jene schon von den großartigen S.Y.P.H attackierte Spezies Mensch, die die Geschicke der großen Szenerie im Allgemeinen, Musik im Besonderen lenkt. Ergo gründeten fünf Freunde eine Firma, dessen Name auf der Annahme fußte, überall in der Welt seien aufstrebende Träume die gleichen oder zumindest· ähnlich, FAST WELTWEIT. Wer waren sie und wohin gingen sie? Bernd BEGEMANN war berufen, sich zum Chefideologen der Firma aufzuschwingen, verließ aber schon 1983 die Heimat, um der ignoranten Welt, besonders in Hamburg DIE ANTWORT auf die Frage nach der nationalen Musikzukunft zu geben. Warum dies gerade mit Seichtpopmusik der B-Klasse zu überflüssigen Pubertärtexten geschehen mußte, diese ANTWORT blieb er der ratlosen Fachwelt schuldig. 1987 glaubte seine Plattenfirma RCA in B.B. jene Hoffnung für den deutschen Schlager gefunden zu haben, die er nie werden wollte. In der festen Ansicht verwurzelt. am gleichen Strang wie die Firma zu ziehen, ging BEGEMANN mit den großen Schiffen baden, die unten am Hafen schlafen… Großartig dagegen sein Auftritt 1988 in der Spex-Redaktion zum Streitgespräch mit Phillip BOA, in dessen Verlauf er (Begemann) Klara DRECHSLER beharrlich in bester extended-Scherz-Tradition Jutta nannte, was DRECHSLER Darling zur Weißglut trieb. Die Jahre danach waren von erneuten Fußfassungsversuchen geprägt. In den nächsten Tagen erscheint beim Hamburger KONIGSHAUS (Sublabel der WEA, geführt von Horst Lüdtke und Thomas SCHWEBEL. s. auch FEHLFARBEN) sein zweites LP-Werk. Begemanns gedankliches Pendant bei FAST WELTWEIT war der eigenartige, nicht real existierende Michael GIRKE, eine Art inkarniertes gedankliches Konstrukt, der Sieg des Geistes über die Sinne und als solcher philosophischer Materie eher zugetan als niederer Fleischlichkeit. Bemerkenswert z.B. sein konsequentes In-der-bis-obenhin-zugeknäpften-Windjacke-Verharren trotz größtmöglicher Hitze bei einem lokalen Open-Air-Festival seinerzeit. KEIN SCHMERZ, ROCKY! Seine Band hieß JETZT!, unverzichtbar das programmatische Ausrufungszeichen, das mehr im Wunschdenken als in der Realität Kräftesymbol war. JETZT! scheiterten an der Schwierigkeit. gesellschaftskonträre Agitation ohne Zeigefinger und Aknepickel in die Tat umzusetzen. „…wir suchen, was wir nicht bekommen… ohne es zu merken, sind wir so, wie wir gefallen, ich denke nur, daß ich mir nicht länger gefallen kann als Teil einer stillen Generation…“ Die „Stille Generation“ bekam immerhin Airplay, war erstes FAST WELTWEIT-Vinyl (1984) und hatte sicherlich einen unterstützenswerten Aussagekern. Das etwas klägliche, bieder-poppige, gar dröselig zu nennende Gitarrengeschrammel. von Thomas SCHWEBEL eher hüftsteif in Szene gesetzt, nahm dem Werk aber jeden ernsthaften Anspruch. 


JETZT! rückten unweigerlich in den Pickelige-Pennäler-Play-Pop-Rahmen. Man merkte, Platte machen ist easy, will sagen: ist einfach, sie verkaufen weniger. Es blieb eine Revolution im Wohnzimmerschrank, GIRKE ließ das sein mit der Gitarre und benutzte die Single als Regalstütze. Seine Message bringt er heutzutage nonakustisch als Berliner Stadtzeitungsschreiber unter das Volk, der Musik sagte er mit der Begründung ab, er befürchte, Berufsjugendlicher werden zu müssen. Der geistigen Grundlage enthauptet, nahm seine Band das Heft selbst in die Beine und versucht nun als TANZENDE HERZchEN, eine Brücke zwischen Klaus LAGE und dem weiten IN-dependent-Feld zu schlagen. Unbestätigten aber jüngsten Gerüchten zufolge sollen sie jetzt den Rave erfunden haben. 


Andreas HENNINGs TIME TWISTERS fand ich damals uninteressant. besondere Anekdoten sind mir nicht bekannt, man sei wohl in diesen Tagen beim Hamburger Label FAB-Records untergekommen, heißt es. Jochen DISTELMEYER stieß 1987 zum Clan, sollte am besten seinen genialen Wortwitz unserem Magazin zur Verfügung stellen, verschwendete seine Jugend aber mit BIENENJÄGERN und straighten Schwestern, die seine wahre Waffe, das marxistisch geschulte Wort. ihrem Druckerzeugnis zugute kommenließen und bläst derzeit HUAH! aus Hamburg was (Trompete). Bernadette HENGST hieß von Geburt an so, war Henne im Korb und verzauberte mit ihrem blond-naiven Teeniecharme Nachwuchsschreiber wie Fachleute, was 1988 in der flehenden Bitte jenes Herrn Z, der auch schon für die Überschrift her halten mußte, gipfelte, Bernadette möge einmal zur akustischen Gitarre das Wort „ficken“ in den Mund nehmen. Sie tat es nicht, verteidigte stattdessen ihre ungehobelten Freunde (zur Akustischen), gewann eine Art Ulla-Meinecke-der-Provinz-Status und wanderte 1988/89 nach Hamburg aus, wo sie HUAH!-Sänger Wald kennenlernte, ihm ein Lächeln und seiner Band ihre Backgroundstimme schenkte. Mittlerweile hat sie auch schon wieder ein eigenes Projekt DIE BRAUT HAUT AUFS AUGE, welches sich auf einer Split-EP demnächst mit HUAH!, den MOBYLETTES und STERNE, DIE dem Thema Eifersucht widmen wird. Ein Produkt der Firma L’AGE D’OR. Eben erwähnte STERNE, DIE; namentlich Frank SPILKER (Sandkastengefährte des Bruders meiner liebreizenden Freundin übrigens) und Mirko BREDER, nahmen zwei sträflich mißachtete Singles („Verregneter Sommer“, smarte Pophymne nach einer WAHREN Begebenheit und „Was verlangst du von mir“) auf, überzeugten durch sympathisches Understatement und oberherzige Melodien im Roddy-Frome-fickt-Debbie-Harry-Stil und laufen uns später noch mehrfach über den Weg als musikalische Bernadette HENGST-Untermalung, HUAH!-Berater und DER FREMDE-Verstärkung. 
Das expandierende WELTWEIT-Unternehmen hatte seinen Höhepunkt im Herbst 1988, als man auf den Berlin Independence Days ein dreitägiges Programm im Cafe Swing absolvierte und in der Messehalle durch spektakuläre Spontanauftritte mit Akustikklampfe Aufsehen erregte Danach aber kam plötzlich Sand ins Getriebe, das jahrelang mit stoischer Ruhe gleichermaßen Spott und Beifall aufgenommen und widerstanden hatte. Eine unerwartete Einzelkämpfermentalität gepaart mit musikalischen Differenzen brachte den Glauben an die gemeinsame Sache zu Fall, FAST WELTWEIT entschlief sanft und unspektakulär. Die ganze Misere ist vielleicht am besten in einem alten STERNE, DIE-Info auf den Punkt gebracht, wo es heißt: „Stellen Sie sich vor, BLONDIE wäre eine Band aus Minden gewesen. Hätte man sie mit GITTE verglichen und an Juliane WERDING gemessen? Hätte man einem Chuck BERRY bayrische Lederhosen angezogen, ihm einen Tirolerhut verpaßt und in Bierzelten dumme Witze machen lassen?“ 


DER FREMDE begegnete dem Problem der drohenden künstlich aufrechtzuerhaltenden Jugendlichkeit, an dem FWW vielleicht letztlich scheiterte, mit einem schon früh einsetzenden Zynismus und gab sich nicht dem allgemeinen Teenietreiben hin. Achim KNORR stieß 1983/84 zu FAST WELTWEIT, von dessen Alltogether-Romantik er sich zunächst anstecken ließ. Sein Griff zur Akustikgitarre ließ ihn zum FREMDEN mutieren, und fortan gefiel er sich in der Rolle des Außenseiters, kokettierte mit Outlaw- und Querdenk-Image, was ihn aller Zugehörigkeit zum Trotz erfrischend etwas vom Clan distanzierte. Nach seinem Solobeitrag 1985 zum FWW-Sampler wich 1987 die Phase des Einzelkampfes einer Begleitband, die auch nicht so recht ins FWW-Schema passen wollte. Andreas RETH an den Trommein, Bibo KILIAN mit ihrem Moog-Synthesizer und der Verzicht auf einen konventionellen Bass verliehen den Songs schon früh einen eigenwilligen, spröden Charme, den man getrost auch seltsam nennen kann. 1988 erschien die erste DER FREMDE Single „Blut/Bleib bei mir“ (fast schon traditionell und programmatisch die für FWW typische Nicht-Unterscheidung zwischen A-und B-Seite), die die Haltung des FREMDEN klar zum Ausdruck brachte, …„sie trinken Blut, und ich bin dagegen…“ Seine Punk-/Dilettantenvergangenheit kam Achim KNORR hierbei zugute. Von allen FAST WETWEITEN hatte er die unpickeligsten und skurrilsten Texte (Handtuch über’s Gesicht, wenn ebendies nicht paßt usw.) und verstand es am besten, inhaltliche Schärfe auch musikalisch umzusetzen, ohne jedoch Gefühl vermissen zu lassen. Wohlgemerkt, DER FREMDE spielt Pop im weitesten Sinne, allerdings OHNE den mitunter doch penetranten FWW zueigenen CVJM-Touch. Herausragend schon auf der ersten Single sein Charakteristikum, der eigenartig dreckige Gitarrensound, der den Hörer ständig dazu veranlaßt, die Nadel des Plattenspielers auf Staub hin zu untersuchen. Aus der Not die Tugend, vermeintlich unzureichendes Instrumentarium kann zuweilen ein erstaunliches Eigenleben entwickeln. Der erste Ärger über den miesen Sound, weicht der Erkenntnis daß die Qualität womöglich im Trash begründet liegt, auch im heimatlichen Pop. 


Auch nachdem sich FAST WELTWEIT langsam als Firma aus dem Business zurückzog, blieb DER FREMDE die rührigste Kapelle, machte unbeschwert weiter. 1989 beteiligte man sich an der BID-Gegenveranstaltung Berlin Inzest Days und wagte 1990 den Schritt, ein eigenes Label, RETH-TONTRÄGER, zu gründen. „Damit sich die Sache nicht totlief, mußte etwas passieren“, glaubt Andreas Reth an die motivierende Wirkung eines Tonträgers. Begünstigt wurde die Entscheidung durch seine Mitarbeit bei einem bekannten Musikverlag, dessen Infrastruktur er für seine eigenen Zwecke nutzen konnte. „Zeig, was du aus dem FREMDEN machen kannst“, war seine Aufnahmeprüfung. Hier sah er sich aber plötzlich im Wettstreit mit den TANZENDEN HERZEN, an die sein Chef mehr glaubte. Andreas RETH hatte keine echte Chance, das Duell Schnöde gegen Spielwitz, Biedermann gegen Brandstifter mußte er in diesem System verlieren. Dennoch gelang es ihm, die LP „Daneben“ in einem süddeutschen Independent-Vertrieb zu platzieren. Da diesem Vertrieb aber augenscheinlich Eigeninteresse vor Bandvertretung geht, jüngste kulturimperialistische Aufkauftendenzen bestätigen dies, scheiterte die junge Ehe schon früh. „Daneben“ kam nur in wenige Läden, dank der guten Pressearbeit Andreas RETHs erhielt man aber ein beachtliches Echo. Das Werk krankte allerdings an der Tatsache, quasi eine posthume Platte zu sein, lagen zwischen recording und releasing immerhin anderthalb Jahre. Bibo KILIAN hatte inzwischen die Band verlassen, um sich in München den Theaterwissenschaften zu widmen. Die Lücke, die sie riss schlossen Frank SPILKER und Mirko BREDER, aufmerksamen Zeitgenossen bereits als STERNE, DIE bekannt. Mirko hielt es allerdings auch nicht lange, schon für die Herbsttour 90 mit den KISSIN’ COUSINS aus Karlsruhe verpflichtete man Zillos einzigen Hoffnungsträger ThomThom GEIGENSCHREY aus Berlin und seine feuerspeinde Violine. Was auf „Daneben“ noch recht behaglich daherplätscherte wurde nun zum flammenden Inferno, zum reißenden Strom. Namen von Ami-Bands machten die Runde, um für Vergleiche herzuhalten, und man erinnerte sich daran, daß Achim KNORR (26) schon 1988 zu spät zum eigenen Auftritt kam, weil er erst noch DINOSAUR JR live sehen mußte. Pop goes Holocaust, wenn man mir diese Metapher erlaubt, DER FREMDE läßt keinen Stein mehr auf dem anderen. Sein beißender Zynismus erinnert zuweilen an MORRISSEY und übersteigt diesen noch. Auf die Frage, ob DER FREMDE eine globale Message habe, antwortet er, „Ja, wir sind gegen den Krieg und für den Frieden.” An die Adresse männermordender Feministinnenextreme richtet er sein zartes „die Hexe ist tot”, weil er jede Art von überstiegenen Extremismus für Schwachsinn hält. Und der Outlaw, DER FREMDE? „Irgendwie versucht jeder, muß jeder versuchen, sich in eine Gesellschaft einzuordnen, egal wie das aussieht. Du kannst nicht an allem vorbei leben.“ Unlängst nahm man sechs neue Stücke für ein Demo auf (siehe Einleitung), vielleicht wird’s eine Platte, aber nicht um jeden Preis. Die neuen Songs sprengen den Rahmen von „Daneben“, sind abgedreht, krank. Violine und Gitarre stacheln sich wechselseitig zu irrwitzigen Eskapaden, vielleicht ein wenig CAMPER VAN BEETHOVEN-like aber schärfer, härter. Bewegungstheaterstudent Achim KNORR (26) kennt keine Tabus, wo andere sich schamesrot abwenden, hält er gnadenlos drauf: „ …laß endlich das Getöse und mach die Haare aus der Möse.“ Natürlich muß man das nicht gut finden, aber es ist höchst eigenwillig, opponiert Konventionen und ist als solches unterstützenswert. Plattenfirmen, hier habt ihr endlich das Original, das Eigenständige, nach dem ihr angeblich immer sucht. Hat man’s aber dann gefunden, ist es auch wieder falsch, weil es zu unkonventionell ist und sich nicht so recht  in gängige Schemata pressen läßt. Doppelzüngige Verkaufsmoral, ich hasse dich. 


Den Traum vom Popstar träumt das Quartett nur noch für die Presse (anstelle des althergebrachten „Cheeeeeese“ heißt es beim FREMDEN: one, two, three, four, Popstaaaaaaar, ein weltmännisches lächeln für ein Pressefoto, DEM Tor zur Welt). Dabei hätte die Einöde dringend neue Impulse nötig. Ein „Mir geht’s so dreckig, weil sie mich verlassen hat“, klingt beim FREMDEN anders: „Ist unsere liebe wirklich schon kariös?”, fragt er, um in Rudi Carell-Slang (übrigens WIRKLICH der beste Showmoderator vor Hugo-Egon Balder) zu antworten, daß dies die Frage sei, die sich heute abend stelle, meine Damen und Herren. Eingebettet ist dies alles in den unglaublichsten Gitarrenfuzz Ostwestfalens und Kölns, und er wird die Erde erobern, ich hab’s im Urin. Experimentelles Volkslied nennen sie selbst das Ergebnis, aber es führt leicht zu falschen Assoziationen. Mit Reinhard MEY hat es nichts zu tun, eher mit S.Y.P.H meet Ami-HC (Post-). Visuell bietet DER FREMDE dem verwöhnten Auge skurille Zuckungen des bewegungstheatergeschulten Körper Achim KNORRs, sicher ein Trost für mangelndes Styling, mehr sein als scheinen, eine unübliche Praktik im deutschen Musikgeschäft. Weiter geht’s wie üblich: Labelsuche, Tour, falls kein Label, hält das eigene her. Alles wird sich entwickeln, man wartet ab, ohne zu verkrampfen, das einzige Mittel in dieser Zeit, um nicht verrückt zu werden. Gönnt euch den FREMDEN, man gönnt sich ja sonst nix. AIfred Hilsberg, übernehmen Sie! 


Text: Backes, Volker In:  WHAT’S THAT NOISE, Nr. 8, 1991, Bielefeld, S. 12 – 16

 
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Volker Backes, Bielefeld 


Anmerkung des Autors: 
„Der Text ist im Dezember 1990 entstanden. An seinen guten Stellen ist er gut, aber bei weitem nicht alles, was dort behauptet wird, entspricht noch meiner heutigen Sicht- und Ausdrucksweise. Bernd Begemann ist nämlich ein hervorragender Entertainer und Songschreiber, seine Konzerte spenden Trost gerade in harten Zeiten. Bernadette Hengst einen „blond-naiven Teeniecharme“ zu unterstellen, schreit noch heute nach Entschuldigung und treibt mir die Schamesröte ins Gesicht. Von ihr stammen übrigens einige meiner Allzeit-Lieblingsstücke. Vor dem musikalischen Gesamtwerk der Gruppe JETZT! verneige ich mich in der Rückschau ebenfalls. Und wieviel Raum Jochen Distelmeyer in den Folgejahren in meinem Plattenregal noch einnehmen würde, war für mich Ende 1990 noch nicht absehbar.“ 

Volker Backes, Mai, 2011 

— Vor 3 Jahren
#1991  #Der Fremde  #Fast Weltweit  #volker backes  #WHAT’S THAT NOISE 
TThomthom Geigenschrey und Frank Neumaier (Sissimetal, Ex Caspar Brötzmann) auf dem Rhythmusfest 2008, Berlin. 
Das Rhythmusfest ist ein Neubauten Seitenprojekt von NU Unruh. 
Foto © TThomthom Geigenschrey 
TThomthom Geigenschrey auf myspace und soundcloud

TThomthom Geigenschrey und Frank Neumaier (Sissimetal, Ex Caspar Brötzmann) auf dem Rhythmusfest 2008, Berlin. 

Das Rhythmusfest ist ein Neubauten Seitenprojekt von NU Unruh. 

Foto © TThomthom Geigenschrey 

TThomthom Geigenschrey 
auf myspace und soundcloud

— Vor 4 Jahren
#2008  #Der Fremde  #Jetzt!  #TThomthom Geigenschrey  #foto 
TThomthom Geigenschrey und Frank Neumaier (Sissimetal, Ex Caspar Brötzmann) auf dem Rhythmusfest 2008, Berlin. 
Das Rhythmusfest ist ein Neubauten Seitenprojekt von NU Unruh. 
Foto © TThomthom Geigenschrey 
TThomthom Geigenschrey auf myspace und soundcloud

TThomthom Geigenschrey und Frank Neumaier (Sissimetal, Ex Caspar Brötzmann) auf dem Rhythmusfest 2008, Berlin. 

Das Rhythmusfest ist ein Neubauten Seitenprojekt von NU Unruh. 

Foto © TThomthom Geigenschrey 

TThomthom Geigenschrey 
auf myspace und soundcloud

— Vor 4 Jahren
#2008  #Der Fremde  #Jetzt!  #TThomthom Geigenschrey  #foto 
Der Fremde - daneben 
LP - 1989 Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 
® reth Tonträger, 1989 Design © Achim Knorr

Der Fremde - daneben 

LP - 1989 
Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 

® reth Tonträger, 1989 
Design © Achim Knorr

— Vor 4 Jahren with 1 Anmerkung
#1989  #Andrea Kilian  #Andreas Reth  #Der Fremde  #Mirko Breder  #achim knorr  #cover  #frank spilker  #Mirko Breder 
Der Fremde - daneben 
Cover Rückseite, LP - 1989 Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 
® reth Tonträger, 1989 Design © Achim Knorr

Der Fremde - daneben 

Cover Rückseite, LP - 1989 
Achim Knorr, Andrea Kilian, Andreas Reth & Unterstützung von Frank Spilker u. Mirko Breder 

® reth Tonträger, 1989 
Design © Achim Knorr

— Vor 4 Jahren with 1 Anmerkung
#1989  #Andrea Kilian  #Andreas Reth  #Der Fremde  #Mirko Breder  #achim knorr  #frank spilker  #reth Tonträger  #cover 
Der Fremde 
Tacheles 1990
Frank Spilker, Achim Knorr, Andreas Reth, TThomthom Geigenschrey
Foto © Matthias Weber, Berlin

Der Fremde

Tacheles 1990

Frank Spilker, Achim Knorr, Andreas Reth, TThomthom Geigenschrey

Foto © Matthias Weber, Berlin

— Vor 4 Jahren
#1990  #Andreas Reth  #Der Fremde  #achim knorr  #foto  #frank spilker  #TThomthom Geigenschrey 
Der Fremde 
Hinterm Tacheles 1990
Frank Spilker, Achim Knorr, TThomthom Geigenschrey, Andreas Reth
Foto © Matthias Weber, Berlin

Der Fremde

Hinterm Tacheles 1990

Frank Spilker, Achim Knorr, TThomthom Geigenschrey, Andreas Reth

Foto © Matthias Weber, Berlin

— Vor 4 Jahren
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Fast Weltweit präsentiert: Der Fremde Jetzt! Die Time Twisters
Cover Fast Weltweit Flyer von 1985

Fast Weltweit präsentiert:
Der Fremde 
Jetzt! 
Die Time Twisters

Cover Fast Weltweit Flyer von 1985

— Vor 5 Jahren
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Achim Knorr 
Der Fremde, 1988, Live im Forum Enger
Foto © Bernadette La Hengst

Achim Knorr

Der Fremde, 1988, 
Live im Forum Enger

Foto © Bernadette La Hengst

— Vor 5 Jahren
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